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Was bedeutet Kreativität und wie werde ich kreativer?

 

Ich bin nicht kreativ genug!

 

“Kreativität.. Kreativ sein.. Kreatives erschaffen…”. Ja was bedeutet das eigentlich genau. Bevor ich mich mit dem Thema Kreativität befasst hatte, waren diese Sätze für mich sehr magisch angehaucht. Es klang irgendwie philosophisch und in gewisser Weise auch etwas merkwürdig. Es gab eben die Kreativen. Menschen die sich vor ein leeres Blatt gesetzt haben und nach einer geraumen Zeit hatten sie ein Kunstwerk kreiert. Quasi ohne Mühe aus dem Nichts erschaffen. Ich gehörte nie zu denen. Es heißt ja, es gebe Menschen, die eine starke rechte Gehirnhälfte haben, und die seien die kreativen und die mit der starken linken Gehirnhälfte, seien die logisch denkenden. Meine Stärken waren mehr mit Logik verbunden. Ich musste mich also damit abfinden, nicht kreativ zu sein. Zusätzlich redete ich mir immer ein, kreativ zu sein ist ein Talent. Und da Mensch unterschiedliche Talente haben, aspektierte ich, dass Kreativität nicht zu den meinen zählte.

Viel später habe ich gemerkt, dass diese Denkweisen zu den klassischen Mythen der Kreativität gehören. Aber die Realität sieht anders aus.

An dieser Stelle würde ich Dich, lieber Leser, darum bitten, einen Moment inne zu halten und kurz zu überlegen, was für Dich Kreativität ist. Denke nicht so viel darüber nach, sondern schreibe einfach alles auf, was Dir spontan in den Kopf kommt.

 

Mythen über die Kreativität:

Es gibt viele Mythen über Kreativität. Und wir werden gleich feststellen, die meiste kann man glücklicherweise falsifizieren.

Wer hat denn nicht schon solche Sätze gehört: “Kreativität hat nur was mit Kunst zu tun.” “Kreativität ist dasselbe wie Innovation.” Oder “Kreative Gedanken kommen aus dem Nix und brauchen keine Techniken oder Methoden.”  Auch die Mythen aus der Einleitung sind recht geläufig. Einer meiner persönlichen Favoriten ist der Mythos über die unterschiedlichen Aktivitätsbereiche der Gehirnhälfte. Ich glaube, auch deswegen wird die Kreativität sehr stark als angeborenes Talent wahrgenommen. Ungünstigerweise wird daraus geschlossen, dass Kreativität nicht gelernt werden kann. Talente gelten als angeboren und dementsprechend können sie nicht erlernt werden. Ein wichtiger Mythos, der im Laufe des Blogs noch relevant wird, nämlich dass Kinder generell kreativer seien als Erwachsene.Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Du einige dieser Mythen auf Deiner Liste hast.


Kunst ist Kreativität:

Schauen wir uns die Mythen mal etwas genauer an. Fangen wir mit dem ersten an. Kunst hat nur was mit Kreativität zu tun. Ja, Kunst hat sehr viel mit Kreativität zu tun. Das denke ich streitet auch niemand ab. Denn viele Eigenschaften, die die Kreativität mit sich bringt, braucht ein Künstler. Aber die Kreativität ist nicht nur in der Kunst verankert. Eine Bananenbrotbox ist z.B. aus meiner Sicht eine sehr kreative Idee. Die Idee ist auch sehr praktisch, als Kunst würde ich sie dennoch nicht betrachten.


Kreativität ist Innovation:

Innovation und Kreativität ist nicht dasselbe. Auch wenn dieser Mythos häufig im Umlauf ist. An dieser Stelle möchte ich noch keine konkreten Definitionen anführen. Fürs Erste müssen wir uns damit zufrieden geben, dass unter Kreativität im allgemeinen eine neuartige Idee verstanden wird und Innovation die Umsetzung dieser Idee ist. Weiter unten im Text werde ich noch ein paar mehr Zeilen zu Innovation und vor allem natürlich über Kreativität schreiben.


Kreativität braucht keine Technik:

Zum Bild eines kreativen Künstlers passen keine sturen Techniken. Die Kreativität lebt nur von Inspiration und kann nicht durch Regeln beeinflusst werden. Auch dieser Mythos ist weit verbreitet. Es gibt keine Formeln, die kreative Gedanken auf Knopfdruck erzeugen können. Kreativtechniken sind keine Algorithmen, die einem eine perfekte Lösung geben. Aber sie können einen dabei helfen, kreative Ideen zu regenerieren. Kreativität braucht theoretisch keine Technik. Aber sie kann enorm dabei unterstützen und ich würde mal behaupten, dass die wenigsten Menschen in der Lage wären, ohne Kreativtechniken außergewöhnliche Ideen zu entwickeln. Die Menschen, die das können, nennen wir meistens Genies oder Künstler. Im Verlaufe dieses Blockes werden wir sehen, dass schon kleinste Tricks, massive Denkblockaden lösen können und beeindruckende Resultate hervorbringen. Es ist nicht nötig, ein Genie zu sein, um geniale Ideen zu kreieren. Mit den richtigen Techniken kann man lernen ein Genie zu werden.


Die rechte kreative Gehirnhälfte:

Verlieren wir noch ein paar Worte über einen meiner Lieblingsmythen  aus der Einleitung. Die rechte Gehirnhälfte sei für die Kreativität zuständig. Amüsanterweise ist das nicht nur ein Mythos über die Kreativität, sondern ein genereller Mythos über die Gehirnforschung. Die Stärke des Gehirns ist die Vernetzung zwischen den einzelnen Gehirnarealen. Wir benötigen beide Gehirnhälften zum optimalen arbeiten. Keine von beide ist weniger wichtig. Es existieren unterschiedliche Module im Gehirn wie z.B. das Sehzentrum oder die Amygdala. Diese Gehirnareale arbeiten aber nie separat. Ein Kreativzentrum gibt es nicht. Und ein Outsourcing von logischen oder kreativen Aufgaben in ausschließlich eine Gehirnhälfte auch nicht. Es gibt zwar Menschen, denen es leichter fällt kreativ zu sein als anderen. Dies liegt aber nicht an unterschiedlich ausgeprägten Gehirnhälften.

 

 

Kreativität als Talent:

Talent spielt immer eine Rolle. Doch wie in jeder Tätigkeit im Leben, ist Talent nicht alles. Einige Menschen können besser kochen als anderen. Doch Kochen kann man lernen. Und genau dasselbe trifft auf die Kreativität zu. Wie beim Kochen ist es wichtig, zuerst Rezepte zu erlernen und anschließen diese mit guten Begründungen zu variieren.

George Land und Beth Jarman sind renommierte Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kreativität. Sie entwickelten einen Kreativtest. In einer ihrer Studien untersuchten sie die Kreativität von Kindern und Erwachsenen. Ihr Ergebnis war, dass 98% der Kinder von 3-5 Jahren als kreativ eingestuft wurden. Im Alter von 5-10 Jahren waren es nur noch 32% der Kinder. Und von den Erwachsenen blieben noch 2% übrig. Diese abnehmende Tendenz lässt vermuten, so G. Land und B. Jarman, dass wir im Laufe des Erwachsen-werdens verlernen kreativ zu sein. Der Grund sei, dass wir Normen und Regeln lernen, die kreatives Denken blockieren. Unser Ziel muss es folglich sein, uns das kindliche freie Denken wieder anzugewöhnen.

Ich habe jetzt ziemlich viel davon geredet, was Kreativität nicht ist.  Es ist Zeit darüber zu reden, was Kreativität ist.

 

Kreativität:

Es gibt einige Definitionen, die Kreativität beschreiben. Einige Forscher im Gebiet der Kreativität beschreiben sie vor allem als eine Kognition des Denkens. Andere Forscher, wie unteranderem Sternberg und Lubart, definieren Kreativität als die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, das gleichsam neuartig (originell, unerwartet) und angemessen (nützlich, adaptiv bezüglich gegebenen Randbedingungen) ist.   

Um besser zu verstehen, auf welcher kognitiven Ebene sich Kreativität befindet, sollten wir uns Bloom´s Taxonomie anschauen. Die Grafik stellt eine pyramidisch angeordneten Darstellung von verschiedene kognitive Domänen da. Je weiter oben eine Domäne ist, desto komplexer bzw. kognitiv anstrengender zählt sie. Ihr werden gewissermaßen höhere kognitive Leistungen zugeschrieben. Dies ist nicht als Wertung zu verstehen, sondern als eine Klassifizierung der Komplexität.

Als Beispiel können wir zwei Domänen miteinander vergleichen. Nehmen wir mal die unterste Domäne Remembering (Erinnerung) und die zweit oberste Evaluation (Evaluierung). Ich denke, jedem ist bewusst, etwas zu evaluieren ist kognitiv anspruchsvoller, als sich an etwas zu erinnern. Erinnern wir uns an den letzten Urlaub. Wo war der? Was haben wir gemacht? Und mit wem waren wir dort? Das sind Fragen, an die man sich leicht erinnert. Doch wenn wir jetzt den Urlaub evaluieren müssten, stellen sich komplexere Fragen. Wir brauchen Vergleichsgrößen, müssen verschiedene Urlaube gegeneinander abwägen und zum Schluss müssen wir ein Fazit ziehen.  

Kreativität (creating) ist die Spitze der Pyramide. Für unsere Bemühungen, Kreativität zu verstehen und zu definieren, können wir durch Blooms`s Taxonomie feststellen, dass Kreativität zu den „hohen“ kognitiven Domänen zählt. Laut Bloom`s Taxonomie ist es die anspruchsvollste kognitive Domäne. Im Laufe unseres Lebens - meistens während der Schule oder des Studiums - trainieren wir Verstehen (understanding), Analysieren (analysing) und auch Evaluieren (evaluating). Leider lernen wird selten in der Schule oder während des Studiums die komplexeste Domäne. Und das, obwohl sie am meisten Übung benötigen würde. 


Häufig wird Kreativität mit Innovation verwechselt oder dem gleichgesetzt. Innovation ist der Prozess, die besten Ideen zu einzubringen. Mit den besten Ideen sind die Ideen gemeint, welche neuartig sind und großen Wert schöpfen. Was unter Wert zu verstehen ist, hängt von der Branche ab. Es kann Geld sein, mehr Gesundheit oder Frohsinn in der Bevölkerung.  Kreativität beinhaltet den Prozess, eine neuartige Idee zu erschaffen, und die Innovation ist der Prozess sie einzubringen.

 

Zwischenfazit:

Wir sind nun an den Punkt angekommen, sich mit ersten Techniken der Kreativität zu beschäftigen. Wir wissen was Kreativität ist. Wir haben sie definiert als die Kreation von etwas Neuem und Nützlichen. Und wir wissen, was Kreativität nicht ist. Wir habe darüber gesprochen, welche Mythen es über Kreativität gibt. Auch wenn ich nur exemplarisch die geläufigsten Mythen dargestellt habe, können wir uns beruhigt dem Lernen von Kreativität widmen. Viele Mythen konnten wir nämlich entkräften oder sogar gleich falsifizieren. Kreativtechniken helfen einem, die Schranken, die wir im Laufe des Erwachsen-werdens verinnerlicht haben, zu durchbrechen.

 

Divergentes und konvergentes Denken:


Kreatives Denken, wie denkt man jetzt eigentlich kreativ. Das ist eine sehr gute Frage. Und um erlich zu sein, es gibt zwei wichtige unterschiedliche Arten zu Denken, beim Prozess der kreativen Ideenentwicklung. Die wohl wichtigste Regel beim kreativen Denken, ist diese beiden Denkarten getrennt voneinander durchzuführen. Doch ein nach dem anderen.

J.P. Guilford definierte zwei wichtige kreative Denkprozesse. Das divergente und das konvergente Denken. Divergentes Denken geht von einem Punkt aus, in verschiedene Richtungen.  Beim divergenten Denken gibt es kein richtig oder falsch. Stellen wir uns z.B. die Frage, auf welche Art und Weise wir kommenden Montag zur Arbeit fahren könnten. Diese Fragestellung hat mehrere mögliche Antworten und ermöglicht divergentes Denken. Wir könnten z.B. mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Auto fahren. Etwas ungewöhnlicher, aber durchaus eine mögliche Idee wäre es, z.B. zur Arbeit zu trampen, mit Inlinern zu fahren oder Carsharing zu nutzen. Dieses kleine Beispiel soll verdeutlichen, dass divergentes Denken auf Ideenerzeugung basiert.

Konvergentes Denken zielt im Gegensatz dazu auf eine Problemlösung ab.  Es wird davon ausgegangen, dass es nur eine richtige oder beste Lösung gibt. Das Ziel ist es, diese zu finden. Mit all den Ideen, die wir oben erzeugt haben, um am Montag zur Arbeit zu fahren, können wir uns nun fragen, auf welche Art und Weise würde ich am schnellsten zur Arbeit kommen. Dies wäre konvergentes Denken. Und hätte (in den allermeisten Fällen) genau eine richtige Lösung.

 

MRT Studien haben gezeigt, dass die Gehirnaktivität größer ist, wenn Menschen divergentes und konvergentes Denken getrennt voneinander durchführen. Beim gleichzeitigen Durchführen der Denkarten blockieren sich die Gehirnareale gewissermaßen gegenseitig. Aus diesem Grund wird Kindern eine größere Kreativität nachgesagt als erwachsenen Menschen. Kinder trennen divergentes und konvergentes Denken voneinander. Beim Spielen generieren Kinder permanent Ideen. Sie erweitern ihr Spiel, indem sie sich z.B. andere Spielsachen holen, oder das Spielziel ändern. Aber hast du schon mal ein Kleinkind sich Fragen gehört: “Auf welcher Art und Weise könnte ich jetzt spielen, um am meisten Spaß zu haben?” Ich jedenfalls noch nicht. Denn diese Vorgehensweise wäre divergentes und konvergentes Denken zur gleichen Zeit. Wir Erwachsenen wiederum denken permanent auf diese Art und Weise.

Wie viele Ideen hast Du gestern abend kreiert, beim überlegen, wie man am besten entspannen könnte. Es waren vermutlich nicht viele oder? Und ich glaube, ich kann sogar Deine Vorgehensweise erraten. Zuerst hast Du eine Idee generiert. z.B. das Du Fernsehen schauen könntest. Daraufhin hast Du diese Idee evaluiert. Eventuelle in dem Du im Programm nachgeschaut hast, ob ein interessanter Film läuft. Warst Du zufrieden mit dem Angebot, hast Du wahrscheinlich die Idee verwirklicht. Gab es kein interessanten Film, hast Du eine andere Idee kreiert und diese wieder evaluiert. Diese Vorgehensweise wirst du höchst wahrscheinlich so lange befolgt haben, bis Du eine passende Abendbeschäftigung gefunden hattest. Sehr gerne würde ich jetzt Deine Antwort kennen. Aber auch so bin ich mir ziemlich sicher, dass ich recht habe.  Während des Heranwachsens und vor allem auch in der Schule werden wird nämlich darauf trainiert, divergent und konvergent gleichzeitig zu Denken. Erinnern wir uns mal an eine Szene in der ein Lehrer der Klasse eine Frage gestellt hat. Es wird immer nach einer richtigen Lösung gesucht. Und wenn man sich meldet, darf man genau einen Lösungsvorschlag vortragen. Bei dieser Art und Weise des Unterrichtes ist es unmöglich divergent zu denken. Wir trainieren es nicht, und wir lernen auch nicht erst divergent und danach konvergent zu denken. Wir werden darauf gepolt uns ein Lösungsansatz auszudenken, und diesen sofort zu evaluieren.

Merke Dir also diese goldene Regel. Beim kreativen Denken wird immer divergentes und konvergentes Denken getrennt! Das ist aus meiner Sicht die wichtigste Regel beim Prozess des kreativen Denkens. Die Wichtigkeit dieser Regel kann man nicht häufig genug wiederholen. Viele Kreativtechniken und basieren auf dieser Regel. Es ist z.B. verboten beim divergenten Denken, die Ideen zu evaluieren. Bei jedem produktiven Prozess des kreativen Denkens ist es folglich nötig, zuerst potentielle Ideen zu erzeugen. Das Hauptziel in dieser Phase ist es, Masse zu kreieren. Und erst im zweiten Schritt werden diese Ideen evaluiert und gefiltert. Mit dem Ziel, zum Schluss eine (oder ein paar wenige) gute Ideen zu haben.

Beim Produzieren von Ideen tendieren wir Menschen leider zu vorschnellen Urteilen. Achte einfach mal in ihrem Alltag auf Diskussionen, bei denen eine Problemlösung gefunden werden soll. Wir urteilen häufig vorschnell durch z.B. Pauschalkritik in Form von, diese Idee funktioniert doch sowieso nicht, oder sie sei zu teuer oder zu aufwändig. Häufig wird auch auf Normen, Regeln oder Sitten verwiesen, die diese Idee nicht beinhalten würden. Oder wir bewerten Ideen augenblicklich nach unserem Geschmack. All diese spontanen Reaktionen müssen beim divergenten Denken ausgeschaltet werden.  Am Anfang ist es ungewohnt, aber man sollte sich die Ideen tatsächlich zuerst anhören. Anschließend wird jede Idee, außer sie wurde schon einmal erwähnt, aufschreiben. Diese Schritte werden durchgeführt, ohne dass ein negativer Kommentar dazu abgegeben wird. Die zweite goldene Regel ist nämlich, es gibt keine schlechten Ideen.

 

Kreativtechniken:

 

Ich muss zugeben, Kreativtechniken gibt es wie Sand am mehr. Sowohl für divergentes, als auch für konvergentes Denken. Es gibt Checklisten, artefaktbezogene Techniken und auch Rollenspiele. Die Liste ist quasi unendlich. Ich habe mich wirklich schwer getan zu selektieren. Viele sind sehr gut und sind sehr spaßig. Aber ich sah nicht den Sinn, Dich als meinen Leser an dieser Stelle mit Kreativtechniken zu überschwemmen. Damit hätte ich nur das klassische Supermarkt Problem kreiert. Bei zu viel Auswahl fällt einem die Entscheidung schwerer. Letztendlich habe ich beschlossen, Dir ein paar Kreativtechniken vorzustellen, die ich als sehr effektiv, spaßig und leicht umsetzbar empfinde. Und vor allem ideal anwendbar für Menschen, die wenig Vorerfahrung mit Kreativtechniken haben.

 

 

Divergente Kreativtechniken:

 

6-3-5 Methode:

In dieser Methode generiert jeder für sich Ideen und kann sich durch die Ideen der Anderen inspirieren lassen. Dadurch dass leise und unabhängig voneinander gearbeitet wird, kann man verhindern, dass extrovertierte Personen zu großen Einfluss auf die Ideenfindung haben und Ideen introvertierter Personen untergehen.


Durchführung:

1.  Jeder Teilnehmer nimmt sich 9 post-its und klebt diese auf ein Din-A4 Platt. Ordnen sie die Post-its je 3 X 3 an, so dass je 3 Post-its in eine Zeile übereinander sind.

2.  Jeder Teilnehmer schreibt drei Ideen in die obersten 3 Post-its.

3. Wenn alle Teilnehmer drei Ideen kreiert haben wird der Zettel an die linke Person weitergegeben.

4. Nun soll wieder jeder drei Ideen kreieren und diese in die Post-its in der Mitte schreiben. Bestmöglich mit Beziehung zu den Ideen des Vorgängers. Ist aber nicht zwingend notwendig. Die Ideen des Vorgängers können dabei weiterentwickelt werden oder auch nur als Denkanreiz fungieren. Komplett neue Ideen zu kreieren ist natürlich auch erlaubt.

5. Wiederhole nun Schritt 3 und 4 ein weiteres Mal.

 

Wann eignet sich die Technik:

·         wenn man Ideen mit introvertierten und extrovertierten Personen kreieren möchte.

·         wenn sehr extrovertierte Menschen in der Gruppe sind.

·         wenn die Gruppenteilnehmer an verschiedenen Orten sind.

·         wenn man schon ein grobes Konzept hat und dieses konkretisieren möchte.

 

Visuelle Verbindung:

Die Kreativtechnik visuelle Verbindung ist eine unkomplizierte und sehr einfache durchzuführende Technik. Sie basiert darauf, sich von einem visuellen Stimulus inspirieren zu lassen.


Durchführung:

1.  Lies die Problemstellung oder Frage laut vor.

2. Nimm einen Stimulus, welcher nichts mit dem Thema der Ausgangsfrage zu tun hat. Dies können Bilder, Spielzeuge, Artefakte oder sonst irgendwelche beliebigen Objekte sein.

3. Zeige der Gruppe den Stimulus und fragen sie: „Welche Ideen kommen euch beim Anblick des Objektes? “

4.  Entstandene Ideen werden selbstverständlich aufgeschrieben.

5. Zeige einen anderen Stimulus und wiederhole die Frage mit dem neuen Stimulus.

6.  Auch diese Ideen werden selbstverständlich aufgeschrieben

 

Wofür eignet sich die Technik:

·         um Denkblockaden zu lösen

·         um Denkanstöße in andere Richtungen zu geben

·         um ungewöhnliche Ideen zu generieren.


Brainwalking:

Brainwalking macht sich zu nutzen, dass Bewegung die Durchblutung des Gehirns anregt und somit mehr Ideen generiert werden können. Durch einen Kontextwechsel erhält das Gehirn außerdem neuartige Stimuli, wodurch die Teilnehmer weitere Gedankenanstöße erlangen.

 

Durchführung:

1. Stelle an verschiedenen Orten Flipcharts auf. Idealerweise werden die Flipcharts in unterschiedlichen Räumen mit unterschiedlichen Umgebungen aufgestellt. Wie z.B. Im Büro, im Flur oder auf den Balkon etc.. Falls nicht genügend Platz vorhanden sein sollte, reicht es auch, mehrere Flipcharts in verschiedene Ecken eines Raumes aufzustellen.

2.   Teile die Teilnehmer in Zweier- und Dreiergruppen.

3.   Jede Gruppe erzeugt separat an unterschiedlichen Flipcharts Ideen.

4.   Nach einer bestimmten Zeit wechseln die Gruppe die Flipcharts, indem sie zu einem Flipchart an einem anderen Ort gehen.

5.  Am neuen Ort und mit den Ideen der vorherigen Gruppen, werden weitere Ideen kreiert.

6. Dieser Prozess wird wiederholt, bis die Gruppen wieder zu ihrem ersten Flipchart gehen würden.

 

Wann eignet sich die Technik:

·  wenn eine große Teilnehmerzahl vorhanden ist.

·  wenn ein großer Arbeitsraum bzw. mehrere Arbeitsorte zu Verfügung stehen.

·  während oder nach langen, sitzintensiven Arbeitstagen.

 

 

Konvergente Kreativtechniken:

 

Hits:

Hits ist eine sehr schnell und Gruppen unabhängige Technik um Ideen zu konvergieren. Die Technik kann mit sehr wenigen oder sehr vielen Teilnehmern durchgeführt werden. Ziel ist es, durch schnelles Bewerten der Teilnehmer relevante Ideen herauszufiltern.


1. Gib jedem Teilnehmer eine bestimmte Anzahl von Wahlstimmen. Ein genereller Richtwert ist es, 90% weniger Ideen zu besitzen. Bei 50 vorhandenen Ideen, würde jeder Teilnehmer 5 Wahlstimmen erhalten.

2.    Gib jedem die Möglichkeit, alle generierten Ideen zu begutachten.

3.  Jeder Teilnehmer nutzt nun seine Stimmen, um für die Ideen zu wählen, die seiner Meinung nach die passendste für die Ausgangsfrage sind. Gewählt wird, indem die Ideen mit Klebepunkten oder Stiften markiert werden.

4.  Trenne die ausgewählten Ideen von den übrigen und arbeite mit diesen weiter.

 

Wann eignet sich die Technik:

·    wenn man sehr viele divergente Ideen hat.

· um Ideen nach einem bestimmten Kriterium aus einem großen Pool herauszufiltern.

·   um sich auf Ideen zu fokussieren die man mag.

 

Hervorhebung:

In dieser Kreativitätstechnik werden Ideen aus einem großen Ideenpool gefiltert und gruppiert. Ziel ist es essentielle Gruppen zu kreieren, um von einzelnen Ideen zu einem größeren Konzept zu gelangen.


Durchführung:

1.   Führe die Kreativtechnik „Hits“, wie oben beschrieben, durch.

2. Nachdem nun die gewählten Ideen separiert wurden, gruppiere die Ideen nach ähnlichen Konzepten. Jede Gruppe darf maximal 5 Ideen haben. Bei mehr als 5 Ideen in einer Gruppe, wird diese geteilt.

3. Beschreibe nun in einem Satz das Konzept jeder einzelnen Gruppe. Auch durch eine neue Frage ist es möglich, das Konzept zu verdeutlichen.

4.   Arbeite mit den konstruierten Sätzen oder Fragen weiter.

 

Wann eignet sich die Technik:

· um aus einer großen Anzahl von Ideen Konzepte mit dem größten Potenzial herauszufiltern.

·     um Ideen zu gruppieren und zusammenzufügen.

 

Sprunghafte Präferenzliste:

In dieser Kreativtechnik werden mehrere gute Ideen (optimalerweise nicht mehr als 6) oder Konzepte nach Favoriten geordnet. Die Anordnung wird nicht linear sondern sprunghaft durchgeführt. Das sprunghafte Anordnen zwingt die Teilnehmer jedes Mal, die Ideen miteinander zu vergleichen und neu zu priorisieren. Die wiederholten Priorisierungen ermöglichen eine intensivere Auseinandersetzung mit den Ideen oder Konzepten und führen schließlich zu einer überlegten Auflistung von Ideen nach Beliebtheit.

 

Durchführung:

1.   Wähle mehrere Ideen, die sich möglichst stark unterscheiden sollten.

2.  Wähle nun die Idee, die Du am meisten magst und schreibe diese als erste in eine Tabelle.

3.  Nun wähle aus den übrigen Ideen, die aus, welche Du am wenigsten magst und schreibe sie an die letzte Stelle der Tabelle.

4. Wähle jetzt aus den noch übrig gebliebenen Idee die aus, welche Du am meisten magst und schreiben sie die an zweiter Stelle der Liste.

5. Aus den übrig gebliebenen Ideen wähle jetzt die, welche Du am wenigsten magst und schreiben sie diese an vorletzter Stelle der Liste.

6.  Verfahre nach dieser Art und Weise weiter, bis Du alle Ideen in die Liste eingeordnet hast.


In einer Gruppe kann diese Kreativtechnik auf zwei Arten durchgeführt werden. Entweder werden die oben erläuterten Schritte gemeinsam ausgeführt und es entsteht beim Einordnen eine Gruppendiskussion, oder jeder durchläuft die Schritte alleine und anschließend werden die Listen in einer Gruppendiskussion verglichen.

 

Wann eignet sich die Technik:

· wenn man aus wenigen Ideen einen Gewinner generieren möchte.

· um aus wenigen Ideen eine Priorisierung zu generieren.

· um jede Idee miteinander abzugleichen mit dem Ziel einer gemeinsamen Vision

 

Fazit:

Dem aufmerksamen Leser wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass man die eben vorgestellten Techniken wunderbar nach einander in seinen Design Prozess integrieren kann. Um am Anfang zu vermeiden, dass die Ideen von introvertierten Personen in der Gruppe untergehen, ist es empfehlenswert mit der Kreativtechnik 6-3-5 anzufangen. Nachdem man nun schon einige Ideen zusammengetragen hat, kann man der Kreativität neuen Input gehen, indem man visuelle Stimuli präsentiert. Sind immer noch nicht genügend Ideen generiert worden, ist es möglich durchs Brainwalking weitere Impulse zu bekommen. Ein positiver Nebeneffekt ist außerdem, dass dadurch ein zu langes Sitzen unterbrochen werden kann.

Bis zu diesem Moment hat man fleißig Ideen kreiert. Durch die drei Kreativtechniken ist das divergente Denken angeregt worden. Im nächsten Schritt muss nun das konvergente Denken stattfinden.  

Eine anfänglich grobe Filterung ist ideal durch die Methode Hit gewährleistet. Die übrig gebliebenen Ideen können nun mit der Kreativtechnik Hervorhebung klassifiziert werden. Übrig bleiben Konzepte, die durch die Methode Sprunghafte Anordnung priorisiert werden können.

In maximal einem halben Tag, hat man mit 6 Kreativtechniken bis zu 6 neue und innovative Ideen kreiert. Ich empfehle es Dir, einfach mal aus zu probieren.


Ich bedanke mich sehr für das Interesse und Lesen meines Blogs. Ich hoffe, dass du etwas lernen konntest und ich dich für das Thema Kreativität begeistern konnte. Wenn du mehr über das Thema Kreativität lernen möchtest, kannst du dich liebend gerne in meinen Newsletter eintragen.

Dein Sebastian

 

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