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Fokussiert arbeiten mit der Pomodoro-Technik

Was haben Tomaten mit deiner Produktivität zu tun?

Sicher geht es dir auch oft so, dass du bereits mehrere Stunden dabei bist zu lernen, Aufgaben zu bearbeiten oder etwas Kreatives zu erschaffen, und trotz aller Bemühungen kommst du irgendwie nicht voran. Ständig findet sich eine interessantere Alternative für deine eigentliche Aufgabe:

 

📲 "Oh, eine WhatsApp-Nachricht."

🍕 "Eigentlich könnte ich mal wieder was essen."

👕 "Da hat sich aber wieder viel Wäsche angesammelt. Ich wasche erstmal."

 

Wenn dir einer der drei Fälle bekannt vorkommt, dann geht es dir wie dem Großteil der Menschheit – wir lassen uns gerne ablenken.

Erstmals ist mir dies richtig bewusst geworden, als ich meine erste Klausurenphase im Studium durchgemacht habe. Einen Monat vor den Klausuren hat jeder angefangen zu lernen. Fragte man beispielsweise 2 Wochen vor der ersten Klausur danach, ob jemand Lust hätte, abends etwas zu unternehmen, stößt man in 90% der Fälle auf die Antwort: Ich kann nicht, ich muss lernen. Dann habe ich mir die Frage gestellt: Wie schaffen es diese Leute, 16 Stunden ihres aktiven Tages mit Lernen zu füllen, sodass keine Zeit mehr für ein Treffen mit Freunden bleibt? Es war sonnenklar, dass die 16 Stunden nicht mit Lernen gefüllt waren, sondern überwiegend mit Prokrastination und Ablenkung.

Mit dem Ziel, nicht auch in solch ein antisoziales „Klausurenloch“ zu fallen, begab ich mich damals auf die Suche nach Techniken, die mir dabei helfen würden, effektiv zu lernen und die mir noch genügend Freiraum lassen würden, meine andere Zeit mit Qualitätszeit zu füllen.

Auf meiner Suche bin ich schließlich auf eine so einfache wie geniale Technik, namens Pomodoro, gestoßen, die meine Effektivität für immer verändern sollte.

 

 

Was ist Pomodoro?

 

 

Die Pomodoro-Technik kommt ursprünglich aus Italien und wurde von Francesco Cirillo in den 1980er Jahren entwickelt. Die Idee basierte darauf, dass regelmäßige Pausen die geistige Beweglichkeit verbessern sollen. Cirillo nahm sich also eine Küchenuhr her und stelle diese auf ein 25-Minuten-Intervall ein (1 pomodori) und arbeitete in dieser Zeit fokussiert und ohne Ablenkung, danach gab es eine Pause von 5 Minuten.

Der Name Pomodoro kommt übrigens von dem italienischen Wort für Tomate, in deren Design nämlich die Küchenuhr von Cirillo gestaltet war.

 

Wie funktioniert Pomodoro?

 

Die eigentliche Technik wurde ursprünglich folgendermaßen definiert:

  1.       Die Aufgabe schriftlich formulieren
  2.       Den Wecker auf 25 Minuten stellen
  3.       Die Aufgabe bearbeiten, bis der Wecker klingelt
  4.       5 Minuten Pause machen
  5.       Nach jeweils vier Pomodori eine längere Pause machen (15-20min)

 

Was bringt dir Pomodoro?

 

Das Ziel der Technik ist das Verringern von internem (bspw. Tagträume) und externen Unterbrechungen (Telefon, Instant Messaging, Kollegen,..).

Verbunden mit dem physischen Niederschreiben von Aufgaben und Abhaken bzw. Durchstreichen dieser bei Erledigung, eignet sich Pomodoro perfekt, um schneller Erfolgserlebnisse zu bekommen und sich selbst zu reflektieren.

Das systematische Bearbeiten von Aufgaben und die Dokumentation, wie viel Zeit für gewisse Aufgaben benötigt wird, schaffen ebenfalls die Grundlage dafür, die eigenen Lern- und Arbeitstechniken nachhaltig zu verbessern.

Stelle ich beispielsweise fest, dass ich Lerninhalte für eine Klausur besser lerne (d.h, in weniger pomodori), wenn ich mir die Inhalte laut vorspreche, anstatt sie einfach nur mehrfach durchzulesen, so finde ich mit Pomodoro mehr über mich und meine Stärken heraus.

 

Simpel und effektiv arbeiten

 

Sicher hast du auch schon von einigen Zeitmanagement-Techniken gehört, die in der Umsetzung meistens dadurch scheitern, weil sie zu komplex und aufgebläht sind.

Pomodoro zeichnet sich hier dadurch aus, dass du nichts weiter benötigst, als einen Wecker, einen Bleistift und einen Zettel, bzw. eine entsprechende App (dazu kommen wir später noch).

Durch das Aufteilen deiner Arbeitszeit in Intervalle, bekommst du eine ganz andere Wahrnehmung der Zeit, welche dir dabei hilft, deine Aufgaben effizienter zu bearbeiten.

 

Pomodoro über einen längeren Zeitraum

 

 

Ich persönlich nutze die Technik nun schon über einige Monate und es sind wundersame Dinge geschehen, die ich vorher niemals in Betracht gezogen hätte. Übt man die Pomodorotechnik über mehrere Tage bis Wochen aus, so ergibt sich eine Eigenmotivation und -dynamik aus der Technik selbst heraus. Für mich bzw. mein Ego war es immer schwer zu akzeptieren, dass ich am Vortag 10 Pomodoro-Zyklen durchlaufen habe und heute erst 8 gemacht habe. Nur durch diese Differenz von 2 Zyklen, habe ich mich meist noch dazu durchgerungen, doch noch eine Stunde länger zu arbeiten. Das kannst du dir eventuell noch nicht vorstellen, aber ich habe bereits von einigen Freunden gehört, dass es ihnen ähnlich ergeht. Vielleicht berichtest du mir ja auch bald von dieser Erfahrung 😉

 

Pomodoro im Browser

 

 

Wenn du Aufgaben am Notebook bzw. PC zu erledigen hast, kann es Sinn für dich ergeben, Pomodoro im Browser zu verwenden. Es gibt bspw. die Websiten Tomato.es oder TomatoTimer, die dir eine virtuelle Küchenuhr simulieren. Auf beiden Seiten ist der Timer auf 25 Minuten voreingestellt.

 

Pomodoro als App

 

 

Eine App, die ich persönlich seit einigen Monaten nutze und mit guten Gewissen empfehlen kann, ist BeFocused für iOS.

Diese App bietet einige Zusatzfeautures im Vergleich zu einer herkömmlichen Pomodoro-App:

  • Du kannst die Länge deiner Arbeits- und Pausenzeiten individuell einstellen (Ich habe für mich zum Beispiel herausgefunden, dass 30 Minuten Arbeit und 5 Minuten Pause optimal für mich sind)
  • Du kannst verschiedene Aufgaben anlegen, z.B. Lernen Klausur X, Lernen Klausur Y. Die App trackt dann für dich, wie viele Pomodori du für jede Aufgabe durchlaufen hast.
  • Du kannst dir obendrein ein Tagesziel setzen, bspw.: 10 Pomodori pro Tag.
  • Du siehst dann in der Auswertung ein Diagramm, wie viele Pomodori du im Durchschnitt pro Tag durchlaufen hast, wann du überdurchschnittlich viel gemacht hast, etc.

Die kostenlose Version der App reicht für meine Bedürfnisse komplett aus. Es hilft übrigens sehr, wenn man das Smartphone während der Pomodori in den Flugmodus versetzt. So vermeidet man Ablenkungen noch effektiver.

Eine Alternative für Android-User ist die App Clear Focus.

 

Die Vorteile der Pomodoro-Technik auf einen Blick

 

Konzentration auf eine Sache – Mit Pomodoro können sich selbst Personen mit Konzentrationsschwierigkeiten für längere Zeit auf eine Aufgabe fokussieren.

Erfolgsgefühl – Durch das Aufschreiben und Abhaken von (Teil-)Aufgaben bekommen wir jedes Mal einen kleinen Dopaminschub, wenn wir eine Aufgabe fertiggestellt haben.

Disziplin – Wenn du Pomodoro einmal für mehrere Tage in Folge ausprobiert hast und dich wirklich strikt an die Zeitvorgaben gehalten hast, dann wirst du automatisch disziplinierter. Selbst wenn deine Zyklen nur 10 Minuten lang sind, lernst du Disziplin für gerade diese 10 Minuten.

Zeitbewusstsein – Durch die Arbeit in Intervallen lernst du Zeit bewusst wahrzunehmen und erfährst obendrein, für welche Tätigkeiten du effektiv welche Zeit aufwendest.

Motivation – Wenn du regelmäßig festhältst, wie viele Pomodori du täglich ausführst, entsteht daraus eine gewisse Motivation, nicht schlechter zu sein als am Vortag.

Gerne höre ich von deinen ersten Erfahrungen mit Pomodoro. Schreib’ uns doch einen Kommentar oder eine Mail an arne@valyourself.com

Ich freue mich, von dir zu hören!

 

 

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